Warum gerade

dieses Wort, fragt sie, warum
jetzt. Warum nicht das andere
das kurze das helle das blaue
Warum das geliehene

Und warum an dieser Stelle
Warum nicht weiter im Text
Warum dort, wo es passt und
nicht dort

Wer kann wer soll fragt sie
von dir erzählen

(2011)

 

 

 

 

 

 

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(Für Luna.)

Müde nahm er das Auge
vom Okular, der Astronom im Metallturm
Hob den Refraktor vom Stativ
Die Spiegelteleskope, das Cassegrain
und das Newton, er warf sie beiseite
Wischte vom Tisch die Skizzen
der Krater Tycho und Gassendi
Die Negativplatten mit der Lichtspur in schwarz
zerbrachen, Tinte floss
über die Himmelskarten Phasenkalender Tidenpläne
Was er zu sehen hoffte, blieb für immer
auf der erdabgewandten Hälfte


Observation

Halbmond

Ein Moment. Jeder Moment. In dem jedes Wort zu viel wäre. Und jedes Wort zu wenig.


Moment, in Rückenlage

Mein Platz ist die Mitte des Sees
in gleicher Entfernung von allen Ufern
Kein Land, das mir näher wäre als das andere

Zwölf Meter über dem kalten Grund
ist meine Brust Landeplatz für Libellen
Teufelsnadeln, Azurjungfern

Ein schwarzgrünes Auge, das zum Himmel blickt
dieser See. Am Rande des Wassers
gehen die Krebse, wachsen Minze und Ziest

Was mich hier trägt trägt mich nur
weil ich beharrlich atme
Arme Beine bewege wie erlernt

Hielte ich still es ließe mich los

(2011)

 

 

 

 

 

 


Die Wege sind länger

ist das Licht weggenommen
Menschen treffen Verabredungen
mit dem Herbst und halten sie ein

Begegnen sich Gruppen, geht immer
einer zwischen zwei anderen durch

Zwischen Blatt und Blatt
vergilben ihnen die Silben

und fallen still aus den Zeilen
Sie werden nicht sprechen

(1991)


Drachenzähmer

Das feinste Gas, das leichteste Metall
in deinem Haus hältst du sie zur Verfügung
Quecksilbertropfen folgen deinem Fingerzeig
und du bewegst jedwede Last bergauf nur durch ein Wort
Der hellste Klang, die freundlichste Musik sind dir zu eigen
du dehnst die Zeit, wie es dir nützlich scheint
Dein Drache? Nein, du hast ihn nicht getötet
du hältst ihn dir gefangen. Und du gibst
ihm täglich neue Nahrung. Seine gelben Augen
blicken dir nach, wenn du den Raum verlässt
nur um zurückzukehren und ihn anzusehn.
Du weißt, lässt du ihn frei, es kostet dich das Leben


zum einen, zum anderen

das ist geschehen, das ist geträumt
das ist gelungen, das ist versäumt
das ist gerufen, das ist verschwiegen
fragen, die stehen. dinge, die liegen

das ist geschuldet, das ist beglichen
das ist geblieben, das ist gewichen
das ist gefunden, das ist verborgen
eines für gestern. eines für morgen

(2011)