Du trittst in den Morgen

mit dem Bleisaum am Zahnfleisch
nach vier Stunden Schlaf ohne Schlaf
in der Coverversion eines Traumes
im Original aus den Achtzigern.

Dahinstellen und ausnüchtern
es sind noch Satzenden übrig
und ein halber Sack Erde und Salz.
Die Beweisaufnahme ist weiter im Gange

du stolperst ins Licht, längst nicht raus aus der Sache
fängst dir was ein, wirfst es fort
nimmst dir frei und gibst dich gefangen.
Was muss passieren, damit was passiert.

Am Abend zählst du deine Finger
drückst sie ins Schwarze, machst einen Abdruck
ins Album, legst dich zu den Akten
zu den zirpenden Grillen, die du niemals siehst.

(2014)

 

 

 

 

 

 

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zu wenig, zu spät

die stare, die spatzen, die raben
in wechselnden rollen, hoch in der birke
auf ihrem obersten ast, wie sie singen
und warten, mir bedeutung anbieten
ein rätsel für mich, ich steh am geländer
mit klammen fingern und pochendem schädel

es geschieht immer wieder
das orakel von elstern und tauben
in jeder saison mit anderer farbe. es gibt
nichts zu behalten, mit etwas glück nur
eine tiefblaue feder, die der eichelhäher verlor
als er den ausguck verließ
und voller spott etwas rief, das
ich nicht verstand

(2014)