(Für Luna.)

Müde nahm er das Auge
vom Okular, der Astronom im Metallturm
Hob den Refraktor vom Stativ
Die Spiegelteleskope, das Cassegrain
und das Newton, er warf sie beiseite
Wischte vom Tisch die Skizzen
der Krater Tycho und Gassendi
Die Negativplatten mit der Lichtspur in schwarz
zerbrachen, Tinte floss
über die Himmelskarten Phasenkalender Tidenpläne
Was er zu sehen hoffte, blieb für immer
auf der erdabgewandten Hälfte


Observation

Halbmond

Ein Moment. Jeder Moment. In dem jedes Wort zu viel wäre. Und jedes Wort zu wenig.


Moment, in Rückenlage

Mein Platz ist die Mitte des Sees
in gleicher Entfernung von allen Ufern
Kein Land, das mir näher wäre als das andere

Zwölf Meter über dem kalten Grund
ist meine Brust Landeplatz für Libellen
Teufelsnadeln, Azurjungfern

Ein schwarzgrünes Auge, das zum Himmel blickt
dieser See. Am Rande des Wassers
gehen die Krebse, wachsen Minze und Ziest

Was mich hier trägt trägt mich nur
weil ich beharrlich atme
Arme Beine bewege wie erlernt

Hielte ich still es ließe mich los

(2011)