Drachenzähmer

Das feinste Gas, das leichteste Metall
in deinem Haus hältst du sie zur Verfügung
Quecksilbertropfen folgen deinem Fingerzeig
und du bewegst jedwede Last bergauf nur durch ein Wort
Der hellste Klang, die freundlichste Musik sind dir zu eigen
du dehnst die Zeit, wie es dir nützlich scheint
Dein Drache? Nein, du hast ihn nicht getötet
du hältst ihn dir gefangen. Und du gibst
ihm täglich neue Nahrung. Seine gelben Augen
blicken dir nach, wenn du den Raum verlässt
nur um zurückzukehren und ihn anzusehn.
Du weißt, lässt du ihn frei, es kostet dich das Leben

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zum einen, zum anderen

das ist geschehen, das ist geträumt
das ist gelungen, das ist versäumt
das ist gerufen, das ist verschwiegen
fragen, die stehen. dinge, die liegen

das ist geschuldet, das ist beglichen
das ist geblieben, das ist gewichen
das ist gefunden, das ist verborgen
eines für gestern. eines für morgen

(2011)

 

 

 

 

 

 


Rom, März 1990

Im Forum sitzen, schreiben,
dass man im Forum sitzt, schreibt,
unter den weißen Horizont des Papiers
die Namen der Klassiker und ihrer
verfallenen Senkrechten setzt, zum Geruch
von Thymian, Jahrhunderte alt, der sich
nicht notieren lässt, die Pinien
haben sich im Prinzip gehalten wie
mein Lakaiendeutsch und Mussolinis Obelisk.

(1990)

 

 

 

 

 

 


Sammelsurium

Was mir zu Gebote steht ist wenig
Die Reihenfolge einiger Wörter
Oder der Zeitpunkt des Aufbruchs
Die ungefähre Richtung der Schritte

Für das Licht kann ich nichts
Oder die Farbe des Wassers
Für Wärme für Kälte der Luft
Das Geräusch von fallendem Staub

Eine Handvoll Dinge sind mein
Dazu Fundstücke und Leihgaben
Gerüstet mit Schere Stein Papier
Gehe ich in das Duell der Gesten

(2011)